Funktionen von Industriearmaturen
Industriearmaturen übernehmen in Anlagen vier Kernfunktionen. Nachfolgend finden Sie zu jeder Funktion eine kurze Erläuterung mit Beispielen und internen Verlinkungen.
Absperren
Absperrarmaturen starten oder stoppen den Durchfluss und ermöglichen die sichere Absperrung von Anlagenteilen für Wartung oder Notfälle. Beispiele: Kugelhähne (schnelle Vierteldrehung), Absperrklappen (geringer Druckverlust bei großen Nennweiten), Schieber (Vollbohrung), Nadel- und Sitzventile (Feindosierung).
Regeln
Regelarmaturen (z. B. Druckminder- und Druckregelventile, Proportional- und Stellventile) stabilisieren Druck, Temperatur und Durchfluss und verhindern Schwankungen. Mit Stellungsreglern und IO-Link/4–20 mA integrieren Sie die Armaturen einfach in Ihre Steuerung.
Schützen
Sicherheitsventile, Rückschlagventile und Überström-/Überdruckventile schützen vor Überdruck und unerwünschtem Rückfluss. In Dampf- und Gasanlagen verhindern Kondensatableiter sowie Flammensperren/Sicherheitsarmaturen gefährliche Situationen und Produktionsausfälle.
Gängige Arten von Industriearmaturen
Die folgenden Kategorien decken den Großteil der Praxis ab. Klicken Sie zu den Produktseiten für Spezifikationen und Auswahlhilfe.
Absperr- und Regelarmaturen
- Absperrklappen – wirtschaftlich bei großen DN, kurze Baulänge, geeignet für Wasser/Dampf (mit passender Dichtung).
- Schieber – freier Durchgang (Vollbohrung), geringer Druckverlust, häufig in Wasser- und Versorgungsnetzen.
- Kugelhähne – Vierteldrehung, hohe Dichtheit, breites Medienspektrum (Edelstahl/Stahl/Bronze/PTFE-Seats).
- Membranventile – hygienisch, totraumarm, ideal für Reindampf/lebensmitteltechnische Anwendungen.
- Regelventile – lineare/gleichprozentige Trims für präzise Prozessregelung.
Sicherheitseinrichtungen
- Sicherheitsventile – öffnen bei eingestelltem Ansprechdruck; PED/CE-konform.
- Überström-/Reliefventile – kontrollierte Druckreduzierung/Bypass zum Schutz von Komponenten.
- Rückschlagventile – verhindern Rückfluss und Wasserschlag (mit Dämpfung/Soft-Close).
Mess- und Regeltechnik
- Manometer & Drucktransmitter – lokale Anzeige und Signal für Überwachung.
- Durchflussmesser – Volumen- oder Massendurchfluss, inkl. Totalisierung und Leck-/Alarmfunktionen.
- Temperaturtransmitter & -regler – stabile Prozesswärme und Alarmüberwachung.
Filter, Entlüfter und Siebe
- Y- und Korbsiebe – schützen Armaturen/Messtechnik vor Schmutz.
- Entlüfter/Entgaser – entfernen Luft/Gase für stabile Messung und Pumpenschutz.
Anwendungsbereiche von Industriearmaturen
Je Branche gelten spezifische Anforderungen an Material, Zertifizierung und Reinigbarkeit. Einige Praxisbeispiele:
Prozessindustrie (Chemie, Pharma, Food & Beverage)
Sanitäre Membranventile und cavity-filled Kugelhähne mit 316L/elektropolierten Oberflächen minimieren Toträume. Reindampf-Regelventile und Edelstahl-Instrumentierung sichern Produktqualität und Validierung. Rückverfolgbarkeit via IO-Link oder digitale Protokolle macht Wartung planbar.
Gebäude & Infrastruktur (Wasser, HLK, Versorgung)
Schieber und Klappen für die Verteilung; Druckminder- und Überdruckventile für Komfort und Sicherheit; Entlüfter und Siebe reduzieren Störungen. Schwebekörper-/Ultraschall-Durchflussmesser unterstützen Verbrauchsmonitoring und Energieeinsparung.
Dampf, Wärme & Energie
Vortex-/Ultraschall-Durchflussmessung, Kondensatableiter und Sicherheitsventile sind zentral für Wirkungsgrad und Sicherheit. Wasserschlagmanagement mit Dämpfern/Führungen verhindert Schäden an Armaturen und Rohrleitungen.
Marine & Offshore
Korrosionsbeständige Werkstoffe (Duplex-Edelstahl/Bronze), kompakte Absperrklappen und federbelastete Rückschlagventile für vibrationsreiche Umgebungen. ATEX-taugliche Antriebe nach Bedarf.
Reindampf / Kulinarischer Dampf
Industriearmaturen gemäß EHEDG/3-A mit hygienischen Anschlüssen (Tri-Clamp), lebensmittelgeeigneten Dichtungen (EPDM/PTFE/FFKM) und vollständig entleerbarem Design zur Vermeidung von Kontamination.
Qualität, Zertifizierungen & Auswahlkriterien
Die richtige Auswahl verhindert Stillstand und sichert Compliance. Nutzen Sie die folgende Checkliste als Ausgangspunkt.
Zertifizierungen
- CE / PED – europäische Druckgeräterichtlinie.
- EHEDG / 3-A – Hygienic Design für reinigungsintensive Prozesse.
- ATEX – für explosionsgefährdete Bereiche (Antriebe/Sensoren).
- Werkstoffe & Rückverfolgbarkeit – 3.1-Zeugnisse, FDA/EG 1935/2004 für Lebensmittelkontakt.
Werkstoffe & Konstruktion
- Edelstahl 316(L), C-Stahl, Bronze oder Kunststoffe (PVDF/PP) passend zu Medium und Temperatur.
- Elastomerwahl (EPDM, FKM, PTFE, NBR, FFKM) gemäß chemischer Beständigkeit.
- Totraumarmes Design und geeignete Oberflächengüte für Clean-/Steril-Prozesse.
Auswahlkriterien & Checkliste
| Aspekt |
Zu prüfen |
| Medium |
Wasser, Dampf, (Prozess-)Gas, Reindampf; chemische Kompatibilität sowie Partikel/Viskosität. |
| Druck & Temperatur |
PN/ANSI-Klasse, Dauer- & Spitzbedingungen; Wasserschlag/Vibration vorhanden? |
| Anschlüsse |
Flansch (EN/ASME), Gewinde (BSP/NPT), Tri-Clamp, Schweißenden; Baulänge (face-to-face). |
| Regelcharakteristik |
Auf/Zu oder modulierend; benötigter Kv/Cv und Turndown; Antrieb/Stellungsregler. |
| Normen & Zertifikate |
CE/PED, EHEDG, ATEX, FDA, 3.1-Zeugnisse. |
| Wartung |
Austauschbare Seats/Dichtungen, Ersatzteilverfügbarkeit, CIP/SIP-Beständigkeit. |
Installation & Wartung
Zuverlässigkeit beginnt mit korrektem Einbau und periodischer Pflege. Industriearmaturen spannungsfrei montieren, korrekt ausrichten und Dichtpressung sicherstellen; Verdrehungen an Flanschen vermeiden und Führungen/Anker vorsehen, um Wasserschlag und Vibration zu dämpfen. Siebe nach der Inbetriebnahme (Commissioning-Schmutz) reinigen, Schalt- und Dichtfunktion prüfen und vor Freigabe eine Druck-/Dichtigkeitsprüfung durchführen.
Planen Sie risikobasierte Inspektionen: Sicherheitsventile und Kondensatableiter monatlich bis vierteljährlich funktional prüfen; Regel- und Rückschlagventile halbjährlich bis jährlich. Befunde dokumentieren und Verschleißteile (Seats, Dichtungen, Federn) präventiv tauschen. Condition Monitoring (Druck/Flow/Temperatur) hilft Abweichungen frühzeitig zu erkennen.
Tipp: Viele Störungen lassen sich auf Verschmutzung und falsche Dimensionierung zurückführen. Ein kurzer Audit (Kv/Cv-Check, Einstelldrücke, Luftqualität) spart sofort Energie und Folgekosten.
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Unsere Spezialisten unterstützen bei Typauswahl, Werkstoff, Kv/Cv-Auslegung und normgerechtem Design. Viele Produkte liefern wir ab Lager oder mit kurzer Lieferzeit.
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Häufig gestellte Fragen zu Industriearmaturen
Was ist der Unterschied zwischen einem Ventil und einer Industriearmaturen?
Industriearmaturen ist der Oberbegriff für Komponenten, die messen, regeln, absperren oder schützen; ein Ventil ist eine Art Armatur, die den Durchfluss stoppt, startet oder dosiert (z. B. Kugel-, Klappen-, Sitz- oder Schieberventile).
Welche Armaturen sind in Trinkwasseranlagen verpflichtend?
Typischerweise mindestens: Hauptabsperrarmatur, Rückflussverhinderer (Sicherungseinrichtung passend zum Risiko), Druckschutz bei Warmwasser (Kombinations-/Sicherheitsventil) sowie Druckreduzierung bei Bedarf. Maßgeblich sind EN 1717/EN 806 und in den Niederlanden NEN 1006 plus Gerätevorgaben.
Worin unterscheiden sich Sicherheitsventil und Überström-/Reliefventil?
Ein Sicherheitsventil öffnet schlagartig beim Ansprechdruck (schneller Druckabbau, typisch Dampf/Gas). Ein Überström-/Reliefventil öffnet stufenweise und hält einen eingestellten Druck (häufig in Pumpenleitungen/Flüssigkeiten).
Wie bestimme ich den passenden Kv/Cv-Wert für mein Ventil?
Aus gewünschtem Durchfluss, zulässigem Druckabfall und Medieneigenschaften Kv/Cv berechnen. Betriebs- und Spitzenbedingungen berücksichtigen und ausreichenden Turndown wählen. Wir rechnen das gern für Sie durch.
Welche Werkstoffe wähle ich: Edelstahl, Stahl oder Bronze?
Edelstahl 316(L) für korrosive/saubere Medien; Stahl für allgemeine Industrie sowie höhere Drucke/Temperaturen; Bronze für Trink-/Seewasser. Dichtungen (EPDM, FKM, PTFE, FFKM) passend zu Medium und Temperatur auswählen.
Wie vermeide ich Wasserschlag und Vibration?
Auf realistische Strömungsgeschwindigkeiten auslegen, schlagartiges Schließen vermeiden, Dämpfer/Soft-Close-Rückschlagventile einsetzen und korrekte Führung/Anker sicherstellen. Gegebenenfalls langsam öffnende Antriebe vorsehen.
Wie oft sollten Industriearmaturen inspiziert werden?
Risikobasiert: sicherheitskritische Armaturen monatlich–vierteljährlich, Regel-/Rückschlagventile halbjährlich–jährlich. Häufigkeit bei hoher Belastung, Verschmutzung oder kritischen Prozessen erhöhen.
Können Armaturen in bestehende Systeme nachgerüstet werden?
Ja, sofern Druck-/Temperaturklasse, Werkstoffe und Anschlüsse (EN/ASME, BSP/NPT, Tri-Clamp) kompatibel sind. Baulängen (face-to-face), Kv/Cv prüfen und nach Montage eine Druck-/Dichtigkeitsprüfung durchführen.